
Eigentlich wussten wir es schon länger.
Nicht unbedingt bewusst.
Aber irgendwo haben wir gespürt, dass etwas nicht stimmt.
Dass wir häufiger müde sind.
Schneller gereizt.
Weniger belastbar.
Dass wir uns nach Ruhe sehnen und gleichzeitig nicht wissen, wie wir sie überhaupt zulassen sollen.
Trotzdem machen wir weiter.
Warum?
Weil das Leben nicht stehen bleibt.
Weil da Menschen sind, die uns brauchen.
Weil Termine nicht verschwinden, wenn wir erschöpft sind.
Und manchmal auch, weil wir glauben, wir müssten alles zusammenhalten.
„Es muss doch weitergehen“
Viele von uns haben früh gelernt, stark zu sein.
Durchzuhalten.
Nicht bei jedem Gegenwind stehen zu bleiben.
Das kann eine große Stärke sein.
Es hat aber auch eine Kehrseite.
Manchmal merken wir gar nicht mehr, wann aus Stärke Überforderung geworden ist.
Dann sagen wir Dinge wie:
„Das schaffe ich noch.“
„Andere kriegen das doch auch hin.“
„Jetzt reiß dich zusammen.“
„Nur noch diese Woche.“
Und aus einer Woche werden Monate.
Warum hören wir nicht hin?
Vielleicht, weil die Signale am Anfang nicht laut sind.
Vielleicht aber auch, weil wir Angst haben, was passiert, wenn wir wirklich zuhören.
Denn wenn wir ehrlich wären, müssten wir uns vielleicht eingestehen:
So wie es gerade läuft, tut es mir nicht gut.
Vielleicht bräuchte ich Unterstützung.
Vielleicht kann ich nicht alles allein tragen.
Vielleicht muss ich gar nicht immer die Starke sein.
Und genau das ist oft schwer.
Das Nervensystem interessiert sich nicht für unsere To-do-Liste
Unser Nervensystem kennt keine Termine.
Keine Erwartungen.
Keine Perfektion.
Es reagiert auf Belastung.
Und wenn Belastung lange anhält, sendet der Körper Signale.
Mal leise.
Mal deutlich.
Die Frage ist nicht, ob Signale da sind.
Die Frage ist, ob wir ihnen zuhören.
Oder ob wir wieder denken:
„Ich muss nur noch kurz …“
Vielleicht …
Vielleicht geht es gar nicht darum, besser durchzuhalten.
Vielleicht geht es darum, früher wahrzunehmen, wann etwas zu viel wird.
Nicht erst dann, wenn nichts mehr geht.
Sondern dann, wenn der Körper noch leise spricht.
Kerstin Schneider
